Internationale Forschungsgruppe „GeschlechterGesellschaftsTheorien“

In der deutschsprachigen soziologischen Theoriebildung scheint die wechselseitige Bezugnahme von Gesellschaftstheorien und Geschlechterforschung verglichen mit dem englischsprachigen Diskurs bisher noch relativ am Anfang zu stehen. Ungeklärt ist hier nicht nur, welcher Status der Kategorie Geschlecht in der soziologischen Theoriebildung beizumessen ist, sondern auch, ob es sich dabei um eine Frage handelt, die in der Allgemeinen Soziologie angesiedelt ist oder aber die Frage im Feld einer neuen Speziellen Soziologie zu behandeln ist.

In der deutschsprachigen Frauen- und Geschlechterforschung wird ein Defizit im Hinblick auf die Befassung mit gesellschaftstheoretischen Fragestellungen wahrgenommen und dessen Bearbeitung gefordert. Die Forderungen gehen über die bereits vorhandenen, mehr oder weniger systematischen, Anknüpfungen an etablierte Theorien für die Analyse moderner Geschlechterverhältnisse ausdrücklich hinaus. Denn sie zielen auf theorieübergreifende, inter- und transdisziplinäre Fragen, die auch von der Soziologie geteilt werden, und verlangen, dass eine mehr oder weniger isolierte Anwendung gesellschaftstheoretischer Entwürfe auf Geschlechterverhältnisse überschritten wird.

Der hierfür favorisierte Weg wird in einem Dialog zwischen Gesellschaftstheorien und Geschlechterforschung zu umfassenden und gleichartigen Theorieproblemen gesehen, die von beiden Wissenschaftsrichtungen geteilt werden. Damit ist ein Forschungsprogramm benannt, das nur in einem größeren wissenschaftlichen Netzwerk adäquat bearbeitet werden kann.

Anstöße zur Formierung der Forschungsgruppe

Die Gründung der Forschungsgruppe geht zurück auf Impulse von zwei Ad-hoc-Gruppen im Rahmen von Kongressen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie:

„Beharrungsvermögen und Wandlungstendenzen in den Geschlechterverhältnissen: Erkenntnispotenziale soziologischer Gegenwartstheorien“ im Rahmen des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) „Soziale Ungleichheit – kulturelle Unterschiede“, Oktober 2004 an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Initiatorinnen: Dr. Heike Kahlert und Prof. Dr. Andrea Maihofer)

„Die Organisation von Geschlecht und Generativität zwischen Re-Naturalisierungs- und Vergesellschaftungsprozessen – Analysen im Anschluss an Giddens und Foucault“ im Rahmen des 33. Kongresses der DGS „Die Natur der Gesellschaft, Oktober 2006 an der Universität Kassel (Initiatorinnen: Dr. Heike Kahlert und Dr. Anneli Rüling)

Beginn 02/2007: erste internationale zweitägige Arbeitstagung zum Thema „Gender und zeitdiagnostische Gesellschaftstheorien“, 02./03.02.2007 an der Universität Basel (Initiatorinnen: Dr. Heike Kahlert und Prof. Dr. Andrea Maihofer mit Unterstützung von Katharina Pühl)

Mitglieder

Wibke Backhaus (Freiburg), Dr. Stephanie Bethmann (Freiburg), Prof. Dr. Günter Burkart (Lüneburg), Prof. Dr. Nina Degele (Freiburg), Sophia Ermert (Berlin), Prof. Dr. Heike Kahlert (Bochum/Hildesheim), Dr. Marina Liakova (Karlsruhe), Dr. Inés Mateos (Basel), PD Dr. Renate Ruhne (Bern), PD Dr. Christine Weinbach (Potsdam)

 

Frühere Mitglieder

Karolin Heckemeyer (Brugg), Karsten Kassner (Berlin), Prof. Dr. Tomke König (Bielefeld), Prof. Dr. Andrea Maihofer (Basel), Dr. Gabriele Michalitsch (Wien), Prof. Dr. Julia Nentwich (St. Gallen), Katharina Pühl (Berlin), Dr. Anneli Rüling (Berlin), Prof. Dr. Annette Treibel (Karlsruhe), Prof. Dr. Gabriele Winker (Hamburg)


Aktivitäten

Regelmäßige zweitägige Arbeitstreffen in halbjährlichem Abstand an wechselnden Orten

Arbeitstagung mit interessierten Kolleginnen und Kollegen zum Thema "Privat/öffentlich: Gesellschaftstheoretische Relevanz einer feministischen Debatte", Studienhaus Wiesneck bei Freiburg, 22./23. Mai 2014
[Call for Papers]
[Programm]
 

Ergebnisse

Buchpublikation bisheriger Ergebnisse